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Herrenhaus Els Calderers (bei Sant Joan)

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05/08/2020

Els Calderers

Els Calderers: ein klassisches Landgut wie aus dem Bilderbuch

Angesichts der zahlreichen international bekannten und nahezu ganzjährig gut besuchten Bade- und Ferienorte an den Stränden Mallorcas mag es vielen Urlaubern vielleicht nicht ohne Weiteres bewusst sein, dass ca. 75 Prozent der gut 3.600 km² großen Baleareninsel bis heute landwirtschaftliche Nutzflächen sind. Etwa 11 Prozent aller Berufstätigen Mallorcas arbeiten noch immer in den Bereichen Ackerbau und Viehzucht, die zwar lediglich ca. 2,5 Prozent zum insularen Bruttonationaleinkommen beitragen, in manchen Gebieten jedoch die wichtigsten Wirtschaftszweige darstellen. Zu diesen nach wie vor agrarisch geprägten Gegenden Mallorcas zählt in erster Linie die im Zentrum Mallorcas gelegene Hochebene und als äußerst fruchtbare „Kornkammer“ geltende Comarca Pla de Mallorca (Es Pla), die mit Ausnahme der nördlichen Bucht von Alcúdia rund den Touristenort Can Picafort zu den am dünnsten besiedelten Regionen der Insel gehört. Zurzeit nicht ganz 35.000 Menschen leben in den 14 Gemeinden des Binnenlandes, zu denen auch der Ort Sant Joan mit gut 2.100 Einwohnern an den Schnittpunkten der Landstraßen Ma-3220, Ma-3230 und Ma-3232 zwischen den unmittelbar benachbarten Gemeinden Lloret de Vistalegre, Montuïri, Petra, Porreres sowie Sineu und Vilafranca de Bonany gehört.

Els Calderers
Els Calderers bietet schöne Landschaften

Die Weine und Wurstwaren werden hier noch gewissenhaft und von Hand gemacht

Gegen Ende des 13., Anfang des 14. Jahrhunderts im Rahmen der damaligen christlichen Rückeroberung („Reconquista“) durch Jakob I. den Eroberer und Jakob II. von Mallorca von den Mauren befreit und erstmals urkundlich erwähnt, gilt heute die Zeitspanne 1298 bis 1300 als diejenige der Gemeindegründung. San Juan bzw. Sant Joan ist ein typisches Dorf in der Pla de Mallorca, die Mehrheit der „sanjuaneros“ und „santjuaneras“ genannten Einheimischen bestellt Tag für Tag und unermüdlich die ausgedehnten Anbauflächen rund um den beschaulichen, friedlichen angenehm ruhigen Ort. Die Gemeinde ist auch ein Teil des 391 Hektar großen und seit 1993 anerkannten Weinanbaugebiets Pla i Llevant (DO) mit 14 Weingütern und gut 14.500 Hektoliter Jahresproduktion vorrangig von Rotweinen aus den Rebsorten Manto Negro, Callet und Tempranillo sowie Weißweinen aus Prensal Blanco, Parellada und Chardonnay. Ebenfalls unter vielen Gourmets und Feinschmeckern mit Fincas und Ferienhäusern in der Umgebung bekannt ist San Juan/Sant Joan für die hier besonders traditionsreiche und köstliche Blutwurst „botifarrón“ und die gleichermaßen sehr delikate und schmackhafte Streichwurst „sobrasada de Mallorca“. Diese kulinarischen lokalen Spezialitäten kommen genau wie die zu Zöpfen gebundenen Tomaten „tomatiga de ramallets“ vor allem bei den beiden großen örtlichen Fiestas alljährlich am 24. Juni („Sol que Balla“) und 29. August („San Juan Degollado“) auf die Tische des Dorfes. Bei der „Fiesta del Butifarrón“ zur traditionellen Schlachtzeit Anfang Oktober wird die erstgenannte Wurst sogar mit einem eigenen Volksfest gewürdigt.

Beliebte Fincas und Ferienhäuser auf Mallorca

Im historischen Herrenhaus erleben Gäste eine Zeitreise in das Mallorca von früher

Urlauber auf Mallorca sowie Besitzer und Gäste von schönen Fincas und Ferienhäusern in der Gegend von San Juan/Sant Joan müssen ihre Reisedaten jedoch nicht auf derart fixierte festliche Anlässe abstimmen, um in den Genuss dieser und zahlreicher weiterer erlesener Köstlichkeiten aus der Pla de Mallorca zu kommen. Gelegenheiten, sich leckere Speisen und Spezialitäten das ganze Jahr über schmecken zu lassen, bieten etwa die vier Restaurants, Bars und Cafés im Ort, die ihre Gäste in der Carrer de l’Amistat, Carrer del Mestre Mas, Carrer Major und Carrer de Manacor in authentischer, schön gemütlicher und angenehm zwangloser Atmosphäre empfangen. Während die dortigen gastronomischen Einrichtungen zumeist nur im Dorf selbst sowie in der näheren Umgebung bekannt sind, besitzt eine andere Institution ungefähr drei bis vier Kilometer außerhalb der Gemeinde in südöstlicher Richtung am nach ihr benannten Camino Els Calderers schon seit Beginn der 1990er-Jahre als interessantes und empfehlenswertes Ausflugsziel einige Bekanntheit auf ganz Mallorca. Das ehemalige, im späten 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnte Land- und Herrenhaus Finca Els Calderers gehörte über Jahrhunderte der regionalen Adelsfamilie Verí, die dort zunächst lange Zeit Wein und später hauptsächlich Getreide anbauen ließen. Sein heutiges Aussehen erhielt das dreistöckige Gebäude aus gelbem Kalkstein ab Mitte des 18. Jahrhunderts, bis zum frühen 19. Jahrhundert wurde die Anlage kontinuierlich auf ihre aktuelle Größe erweitert.

Die Finca im Grünen wirkt wie erst vor Kurzem von ihren Bewohnern verlassen

Der imposante Komplex inmitten eines großen Gartens mit vielen Nutz- und Zierpflanzen sowie bis heute intensiv landwirtschaftlich genutzten Feldern besteht aus über 20 Wohn- und Arbeitsräumen, diversen Nebengebäuden, Geflügel-, Pferde- und Viehställen sowie verschiedenen Werkstätten, in denen nicht nur für Schauzwecke oder die Besucher noch immer fleißig gearbeitet wird. Besichtigt werden können eine historische Schmiede und Schreinerei mit ebenso klassischen Werkzeugen, ein Backhaus, in dem annähernd täglich gebacken wird sowie die große Scheune und die Wäscherei, in der damals die Kleidung der Bewohner gewaschen und Stoffe mit natürlichen Farben gefärbt wurden. Die gesamte Finca Els Calderers ist ein Musterbeispiel für den charakteristischen mallorquinischen Landhausstil einer typischen Finca rustica aus dem 18. und 19. Jahrhundert, sogar der uralte Brunnen im ausgesprochen gelungen begrünten Innenhof („patio“) liefert bis heute bestes frisches Wasser. Zu der weitläufigen Anlage gehören auch eine kleine Kapelle, ein gut bestückter Weinkeller und eine ebensolche Korn- und Speisekammer, in welcher die gängigen Feldfrüchte der Region wie Bohnen und Kichererbsen sowie Mandeln und Mais zusammen mit altehrwürdigen Arbeitsgeräten und Werkzeugen gelagert werden. Oft und gerne fotografieren Besucher von Els Calderers vor allem die täuschend echt und fast im Originalzustand rekonstruierte Küche, in der neben zahlreichen Tellern und Schüsseln aus Ton auch viele Pfannen, Töpfe und Kasserollen aus rötlich glänzendem Kupfer sowie aus Plastikmasse nachgebildeter Schinken, Kuchen und Pudding bewundert werden kann.

Auf der großen Finca wurde nicht nur viel gearbeitet, sondern auch gerne musiziert

Ausdrücklich Erwähnung verdient auch das im klassizistischen Stil ausgestattete und eingerichtete Musikzimmer mit seinen wertvollen traditionellen Instrumenten von der Insel, unter denen die kurze und nur einhändig zu spielende Flöte „flaviol“ sicherlich zu den schönsten zählt. Auch die hier gezeigten Geigen aus mallorquinischer Produktion von vor gut 200 Jahren besitzen eine ganz eigene Geschichte, waren diese doch damals für hervorragende Handwerkskunst in ganz Europa bekannt. Wie die Kulisse aus einem Historienfilm erscheint auch das mit Himmelbett und wertvollen Mahagonimöbeln aus der Stadt Manacor wie der klassischen Kommode „canterano“ ausgestattete Schlafzimmer. Im einstigen Esszimmer ist dauerhaft eine Tafel mit edlem Silberbsteck, Porzellangeschirr und Damastservietten für eine feudale Gesellschaft mit 18 Gästen gedeckt. Beeindruckend ist auch das Badezimmer samt Emaillewanne und vielen kleinen Fläschchen und Tiegeln. In einigen Räumen in der zweiten Etage der Finca leben übrigens bis heute Angehörige der früheren Besitzerfamilie de Sentmenat, dessen Mitglied Francisco Juan de Sentmenat sich in den 1950er- und 1960er-Jahren maßgeblich um Erhalt und Restaurierung der Anlage verdient gemacht hat. Nach einem Rundgang über das seit 1993 für die Allgemeinheit zugängliche und als Freiluftmuseum „Museu Etnològic dels Calderers“ genutzte Gelände, bei dem die Gäste auch die weltberühmten schwarzen Schweine „porc negre“ zu Gesicht bekommen, folgt eine kleine delikate Verkostung der direkt vor Ort hergestellten Produkte wie Marmelade und Honig sowie sobrasada und Wein, die auch im hauseigenen Hofladen als Souvenirs und Mitbringsel für zu Hause käuflich erworben werden können.

Nach der Besuch der Finca über den Wochenmarkt bummeln oder Fußball sehen

Vor oder nach einem Besuch der Finca Els Calderers in San Juan/Sant Joan bieten sich natürlich auch Abstecher zu weiteren malerischen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten des Ortes an. Ein wenig außerhalb des Dorfes liegen etwa die beiden historischen Kichen Santuari de la Consolacio samt einer sagenumwobenen Madonnenstatue noch aus Zeiten der arabischen Herrschaft über die Balearen sowie die erst kürzlich aufwendig renovierte Santuari de la Mare de Déu de Consolació aus dem 13. Jahrhundert. Auf den Gipfeln der umliegenden Berge Puig de Sant Nofre und Puig de Bonany liegen sich in Privatbesitz befindliche ehemalige Einsiedeleien aus dem 15. Jahrhundert, die somit nur von außen besichtigt werden können. Stets zugänglich ist hingegen die Kirche Sant Joan Baptista ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert samt Museum, die seit Umbauarbeiten in den 1920er- und 1930er-Jahren über die Grundform einer Basilika verfügt. Im 1922 erbauten katholischen Zentrum an der Plaça del Rey Juan Carlos I. finden häufig auch kulturelle Veranstaltungen und Versammlungen statt, die Fassade schmückt ein Bildnis des Mönchs Fra Lluís Jaume, der Sant Joan einst zum christlichen Glauben geführt haben soll. Gut besucht ist auch der große Wochenmarkt immer donnerstags morgens und vormittags, auf dem die Bauern aus dem Ort sowie der Umgebung ihre Produkte zu besonders günstigen Preisen anbieten. An den Wochenenden treffen sich die Bewohner von San Juan/Sant Joan auch gerne auf dem Sportplatz „Pabellón Municipal de Son Junio“ neben der Schule, auf dem die beiden örtlichen Fußballvereine „Just-Just Sant Joan“ und „Sant Joan Club Esportiu“ ihre Heimspiel unter reger Anteilnahme ihrer Anhänger austragen.

Wer das ursprüngliche Landleben schätzt, ist in Fincas in der Pla de Mallorca richtig

Wer als Urlauber in einer Finca oder in einem Ferienhaus auf Mallorca in der Region rund um das Dorf mit dem Rad oder Mietwagen unterwegs ist, kann auch gut die benachbarten Gemeinden samt deren Attraktionen besichtigen. Im für seine süßen Melonen berühmten Vilafranca de Bonany findet immer mittwochs ein Wochenmarkt auf der Plaça Major sowie der populäre Melonenmarkt „Fira del Meló“ im September statt. Petra ist für seine vielen historischen Wegkreuze aus dem späten 19. Jahrhundert sowie das dem hier gebürtigen Missionar Junípero Serra (1713-1784), dem späteren Gründer der US-amerikanischen Städte San Diego und San Francisco, gewidmete Museum bekannt. In Sineu ist der schon seit dem frühen 14. Jahrhundert regelmäßig mittwochs stattfindende Bauern-, Tier- und Kunsthandwerksmarkt ein Publikumsmagnet. In und um Lloret de Vista Alegre gibt es viele Fincas und Ferienhäuser für Landurlaub („agroturismo“) sowie den als Naturschutzgebiet ausgewiesenen und schönes Wanderareal bekannten Pinienwald „Sa Comuna de Llorito“ mit gut 130 Hektar Fläche. In Montuïri findet der Wochenmarkt immer montags statt, jedes Jahr am ersten Sonntag im Dezember wird dort außerdem die Rebhuhnmesse „Fira de sa Perdiu“ als Zuchtwettbewerb samt Tierschau sowie Kunst- und Kunstgewerbeausstellung veranstaltet. Porreres wird vor allem wegen seines großen Museums für zeitgenössische Kunst in der Calle Agustí Font gerne und häufig von Gästen der Fincas und Ferienhäuser auf Mallorca besucht.

Hauptkategorie: Sehenswürdigkeiten
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